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Was tun gegen die Winterdepression?

von Dr. med. Peter Konopka (Kommentare: 0)

Was tun gegen die Winterdepression?

Die Tage werden kürzer, draußen ist es kalt und ungemütlich. Die dunkle Jahreszeit drückt vielen Menschen aufs Gemüt. In Deutschland klagt jeder vierte über den Winterblues oder auch Winterdepression genannt, die saisonal durch die Jahreszeit bedingt ist. Bevor man aber die Diagnose „Winterdepression“ stellt, sollte man wachsam sein und nicht eine echte Depression oder ein Burn-out-Syndrom übersehen. 

Kennzeichen einer echten Depression

  • Traurige, niedergedrückte Stimmung meist ohne erkennbare Ursache
  • Andauernde Müdigkeit, vor allem in der ersten Tageshälfte
  • Schlaflosigkeit
  • Appetitlosigkeit
  • Manchmal Angstgefühle

Wichtige Unterschiede sind:

Bei einer Winterdepression

  • fühlt man sich müde,
  • hat ein großes Schlafbedürfnis und
  • schläft meistens auch mehr.

Bei einer echten Depression

  • ist man zwar auch müde,
  • leidet aber gleichzeitig meist unter Schlaflosigkeit.

Und während man bei einer Winterdepression das Bedürfnis hat,

  • mehr Nahrung zu sich zu nehmen und sogar manchmal Heißhunger-Attacken (mit Appetit auf Süßes) hat,
  • ist man bei einer echten Depression meist völlig appetitlos.

Kennzeichen eines Burn-out-Syndroms

  • Ursache häufig berufsbedingt
  • Müdigkeit, Erschöpfung
  • Reizbarkeit, Aggressivität
  • Depressive Verstimmung

Siehe auch: Immun gegen Burn-out

Wichtig zu wissen: Ein länger dauerndes Burn-out-Syndrom kann in eine echte Depression übergehen

Doch solange es sich nicht um eine echte Depression handelt, gibt es einige Tipps, um gegen den Winterblues anzukämpfen:

Viel Bewegung an frischer Luft

Wenn Schmuddelwetter herrscht, zieht man sich gerne auf die Coach zurück und will nicht mehr vor die Tür. Teilweise ist das auch richtig; denn die Natur macht es auch so: Die Bäume werfen die Blätter ab und ziehen sich in sich zurück – um im Frühjahr wieder neu zu erblühen. Auch Sportler schrauben ihre Belastungsintensität im Winter auf eine moderate Ebene zurück – aber sie stellen ihre sportliche Aktivität nicht ganz ein. Ausgedehnte Spaziergänge an frischer Luft haben eine eindeutig belebende und antidepressive Wirkung - am besten täglich mindestens eine halbe Stunde in einem Tempo, bei dem man sich noch unterhalten kann.

Gesunde Ernährung

Viel Obst und Gemüse, am besten fünfmal am Tag („five a day“). Das weiß inzwischen fast jeder. Aber im Winter ist das besonders wichtig wegen der für das Immunsystem und die Stimmung wichtigen Vitamine (Vitamin-B-Komplex, Folsäure, Vitamin C und D), Mineralstoffe (vor allem Magnesium) und Spurenelemente (besonders Selen und Zink). In besonders reichlichem Maße sind diese Vitalstoffe zum Beispiel in Weizenkeimen enthalten, die es in jedem Reformhaus gibt. Außerdem sind Eiweißzulagen empfehlenswert, weil sie wichtige stimmungsaufhellende hirnaktive Eiweißbausteine (Aminosäuren) liefern (besonders Tryptophan und Serotonin).
Siehe auch:
Was ist gesunde Ernährung?
Empfehlungen für eine gesunde Ernährung
Mein Aufbauprogramm für schwere Zeiten

Warme Bäder und Sauna

Neuere Studien der Universität in Madison (USA) konnten nachweisen, dass heiße Bäder, die den Körper auf über 38 °C erhitzen, eine eindeutig antidepressive Wirkung haben. Durch die Überwärmung werden besonders die Hirnbereiche, in denen Depressive eine verminderte Aktivität aufweisen, aktiviert. Ähnliche Wirkungen sind auch bei Sauna-Besuchen beschrieben. Regelmäßige Sauna-Besuche werden auch für Burn-out-Gefährdete empfohlen – denn „in der Sauna verraucht der Zorn“.

Wohlfühlmassagen

Wohlgefühl hebt die Stimmung ganz allgemein („high“) und führt so zu einer Umpolung des Energiestromes einer depressiven Verstimmung, der nach unten gerichtet ist („down“). Dazu sind alle Massagen geeignet, bei denen man sich so richtig wohlfühlt: konventionelle Ganzkörpermassagen, Klangmassagen, Ayurveda-Massagen u.a. - vielleicht auch im Anschluss an einen Sauna-Besuch.

Lichttherapie

Eine Hauptursache des Winterblues ist Lichtmangel. Daher ist es logisch, die daraus sich ergebende depressive Verstimmung mit einer Lichttherapie (mit Speziallampen) ursächlich zu behandeln. Aber auch UV-Licht ist nützlich. Ideal wäre auch ein Höhenaufenthalt bei sonnigem Wetter - oder eben die Spazierrgänge an frischer Luft.

Yoga

Yoga ist Studien zufolge ein vielversprechender ergänzender Ansatz in der Behandlung psychischer Störungen ganz allgemein und auch bei der Winterdepression. Die Wirksamkeit von Yoga wurde sogar mit der einer psychotherapeutischen Behandlung verglichen. Durch Yoga werden Körper, Seele und Geist harmonisiert, und das zentrale Nervensystem in Gehirn und Rückenmark wird mit neuer Energie aufgeladen.

Meditation - "Licht" und "Drittes Auge"

Der Mensch ist in seinem Inneren mit den äußeren biologischen Rhythmen verbunden. Das Organ, das diese Verbindung herstellt, ist die Zirbeldrüse, die in der Mitte des Kopfes liegt. Sie wurde schon von den Yogis (und wird auch jetzt von Neurobiologen) als das „dritte Auge“ bezeichnet. Und es ist das „dritten Auge“ im Punkt zwischen den Augenbrauen, auf das man sich in der Meditation konzentriert.

So könnte man erklären, dass – wie durch Studien belegt - Meditation ebenfalls ein sehr wirksames Mittel gegen das fehlende „Licht“ bei der Winterdepression ist – und das steht auch schon in der Bibel:

Das Auge ist des Leibes Licht. Wenn dein Auge einfältig ist, so wird dein ganzer Leib Licht sein. So schaue darauf, dass nicht das Licht in dir Finsternis sei …“ (Matthäus 6, 22)

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