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Der große Trugschluss "Danach - also deswegen"

von Dr. med. Peter Konopka (Kommentare: 0)

Danach - also deswegen?

Endlich bewiesen: Babys werden doch vom Storch gebracht

Post hoc - ergo propter hoc ...
ist lateinisch und heißt: Danach - also deswegen. Viele fallen darauf herein - aber ihr nicht! Das ist nämlich ein großer Fehler vieler Studien und „Wahrheiten“ die uns immer wieder serviert werden. Der Trugschluss liegt darin, dass man eine Korrelation (Zusammenhang) fälschlicherweise als Ursache betrachtet. Damit das euch nicht passiert, hier ein heiteres - aber wissenschaftlich nicht leicht zu widerlegendes Beispiel; denn die Korrelation ist hoch ...

Der Brite Robert Mathews
aus Birmingham hat die bekannte Geschichte vom Klapperstorch wissenschaftlich untersucht. Obwohl es klar auf der Hand zu liegen scheint, dass diese Geschichte völliger Unfug ist, ist die wissenschaftliche Begründung dieses Widerspruchs gar nicht so einfach. Wenn man der Frage genauso nachgeht wie bei anderen Zusammenhängen (zum Beispiel wie bei dem Zusammenhang zwischen verschiedenen Diätformen und Krankheiten), dann würde man eine sogenannte Korrelationsstudie durchführen, um zu sehen, ob es eine einfache Beziehung (Korrelation) zwischen der Anzahl der Störche in einem Land und der Geburtenrate gibt.

Und tatsächlich
Matthews hat zunächst die Zahl der Brutpaare von Störchen in 17 europäischen Ländern aufgezeichnet und sie in eine Korrelation zu der Zahl der Geburten in den betreffenden Ländern gebracht. Dabei ergab sich eine hochsignifikante Korrelation (p=0.008), so dass man versucht sein könnte, davon einen ursächlichen (= kausalen) Zusammenhang abzuleiten.

Immer selber nachdenken!
Am Beispiel der Klapperstörche erkennt man sofort, dass dieser Zusammenhang absurd ist - weil man die Wahrheit kennt.Aber bei anderen Korrelationsstudien ist das nicht immer so klar. Daher sollte man mit solchen Studien vorsichtig sein und selber nachdenken, ob uns nicht fälschlicherweise ein zeitlicher für einen ursächlichen Zusammenhang präsentiert wird.

Schuhgröße und Lesefähigkeit
Man könnte auch einen ursächlichen Zusammenhang herstellen zwischen der Schuhgröße von Kindern und ihrer Lesefähigkeit. Es ist nämlich tatsächlich so: je kleiner die Schuhe, desto weniger gut können Kinder lesen – und je größer die Schuhe, desto besser ist ihre Lesefähigkeit. Also: Kauft den Kindern größere Schuhe, damit sie besser lesen können!?

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